Was einigen Start-Ups fehlt…
30. August 2011Mir ist letztens aufgefallen: Wenn ich mir einige der gängigen Start-Ups ansehe, die als Best Cases gehandelt werden, dann graust es mir. Es graust mir vor den Use Cases, über die sich die Dienste verkaufen wollen. Manche davon wirken ähnlich schlecht konstruiert wie folgender fiktiver und erfolgloser Location Based Service:
“Unterwegs mit dem Laptop? Wenn du in einer neuen Stadt bist und viel reist: Hol an spannenden Orten deinen Rechner aus der Tasche, suche dir ein freies WLAN und zeige deinen Freunden, wo du bist!”
Niemand will sich mit seinem Rechner einchecken, wenn es sich vermeiden lässt nie. Nicht mal ein Social Media Evangelist. Foursquare wäre ohne Apps auf Mobiltelfonen (und die auf mobile Browser optimierte Website) direkt geflopt. Ich meine, schon so wird man oft genug noch schief angeguckt, wenn man sich zur Orientierung, was die Umgebung zu bieten hat, per Smartphone orten lässt und sich gleich mal am Ort mit der kürzesten Entfernung eincheckt. Dienste müssen einfach zu Nutzen sein und einen echten Nutzen bieten. Wie gesagt: Man kann viele Use Cases konstruieren, und an konstruierten Nutzern krankt dann das System. Konstruierte Nutzer nutzen einen Dienst nicht, denn wie soll man sie zum Leben erwecken? Es muss ein echter Bedarf vorhanden sein, und genau das sehe ich bei vielen Onlinediensten nicht. Kurzfristig wird vieles ausprobiert, für langfristige Nutzerbindung taugt aber keine technisch noch so innovative Idee, wenn sie sich nicht in den Alltag der Nutzer einfügt.
Andere Dienste nerven mich aus folgendem Grund…nehmen wir Pizza.de und Lieferheld… ich brauche einen Service, bei dem ich Essen bestellen kann, nicht zwei, denn dann entstehen entweder Redundanzen oder ich muss doppelt recherchieren. So viel Zeitinvestition ist ein Grundbedürfnis in dem Moment nicht wert, wo ich selbst keine Zeit und/oder Lust habe, zu Kochen. Außerdem: Eine Art Grabenkampf zwischen den Diensten, überspitzt formuliert, ist mit Copy-Cats sozusagen eingebaut. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte: Der Dienst, dem weniger Fresstempel im Verzeichnis fehlen, hat die besseren Karten. Hier wird es sogar weniger auf Handling und Usability ankommen, da die kulinarische Auswahl hier der größere Faktor ist, solange sich nicht ein Dienst bei der Bestellabwicklung richtig schlecht anstellt. Natürlich kann man viele Spontannutzer auf der Website generieren mittel SEO und SEM, aber langfristige, regelmäßig bestellende Kunden gewinnt man am zuverlässigsten per App-Downloads.
Also: Ich will mal wieder ein Start-Up sehen, das nicht die drölfzigste supergenialeinfache To Do-Verwaltung, ob minimalistisch oder mit allem Schnickschnack, bietet. Ich möchte neue Ideen, bei denen ich mir denke: “Warum gibt es so etwas nicht schon lange? Ich muss das haben, klingt nützlich.”
Wenn ihr meint, ihr kennt so etwas, oder an einem Start-Up bastelt, das eurer Meinung nach die Kriterien erfüllt, lasst es mich in den Kommentaren wissen! Ich werde mir die Dienste ansehen und bei Gefallen ausführlich berichten.
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cdv!



